Ab 2006 niedrigere Grenzwerte für Lärm am Arbeitsplatz


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Für die Lärmbelastung am Arbeitsplatz gelten ab 2006 europaweit niedrigere Grenzwerte. Darauf weist der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) hin. Am 15. Februar endete die Umsetzungsfrist für die neu gefasste EU-Lärm-Richtlinie. Nach deren Vorgaben müssen Arbeitgeber bereits ab einer durchschnittlichen Lärmbelastung am Arbeitsplatz von 80 dB(A) (bislang 85 dB(A)) pro Tag einen Gehörschutz zur Verfügung stellen. Dieser ist ab 85 dB(A) (bislang 90 dB(A)) verpflichtend zu tragen. Als Arbeitsschutzinstitutionen beraten die Berufsgenossenschaften bereits jetzt die Unternehmen bei Maßnahmen, die der Einhaltung neuer Werte dienen und den Lärmschutz am Arbeitsplatz verbessern können.

Denn Lärm hat für die betriebliche Prävention eine große Bedeutung: „Dauerlärm ab 85 Dezibel erhöht nach derzeitigem Stand der Wissenschaft deutlich das Risiko, das Gehör zu schädigen“, erklärt Dr. Walter Eichendorf, stv. HVBG-Hauptgeschäftsführer. EU-Schätzungen zufolge sind europaweit etwa 60 Mio. Arbeitnehmer während einem Viertel ihrer Arbeitszeit Lärm ausgesetzt. Lärmschwerhörigkeiten gehört in der Europäischen Union zu den am häufigsten gemeldeten Berufskrankheiten. „Die gesundheitlichen, finanziellen und sozialen Folgen von Lärm sind dementsprechend auch in Deutschland erheblich“, so Eichendorf. Im Jahr 2004 waren 40 Prozent der anerkannten Berufskrankheiten hierzulande – über 6.000 Fälle – durch Lärm verursacht. Im selben Jahr wandten die Berufsgenossenschaften rund 162 Mio. Euro für die Behandlung und Kompensation lärmbedingter Berufskrankheiten auf. „Eine Reduktion um 5 Dezibel mag vor diesem Hintergrund wenig erscheinen“, sagt Dr. Martin Liedtke vom Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitsschutz (BGIA) in Sankt Augustin. „Bedenkt man aber, dass eine Verminderung um 3 Dezibel bereits eine Halbierung der Schallenergie bedeutet, dann sind 5 Dezibel sehr viel“.

Die Richtlinie bringe noch eine weitere Neuerung, so Liedtke: „Der Arbeitgeber muss nun sicherstellen, dass der Grenzwert für die Lärmbelastung auch mit Gehörschutz nicht überschritten wird“. Beispielsweise in der Musik- und Unterhaltungsbranche ist diese Anforderung jedoch nicht leicht zu erfüllen. Die Europäische Union hat daher den Mitgliedstaaten für diesen Sektor eine Übergangszeit bis 2008 eingeräumt.


Die wesentlichen Neuerungen auf einen Blick:


Alle bisherigen Grenzwerte werden um 5 dB(A) gesenkt. Das bedeutet folgendes:
1.) ab 80 dB(A): Gehörschutz zur Verfügung stellen, Information und Unterweisung der Mitarbeiter, Anspruch auf vorbeugende audiometrische Untersuchungen
2.) ab 85 dB(A): Gehörschutz-Tragepflicht, Kennzeichnung, Bereichsabgrenzung, Zugangseinschränkung, Anspruch auf Untersuchung des Gehörs, Lärmminderungsprogramm aufstellen
3.) 87 dB(A):
NEU
Expositionsgrenze, die unter Berücksichtigung der Schalldämmung des Gehörschutzes keinesfalls überschritten werden darf. Dieser Pegel wirkt unmittelbar auf das Gehör, da bei der Bestimmung die Schalldämmung des Gehörschützers berücksichtigt wird.
Kann eine Überschreitung des Expositionsgrenzwertes nicht vermieden werden, sind unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Exposition unter den Grenzwert zu bringen, Gründe für das Überschreiten zu ermitteln sowie Schutz- und Vorbeugemaßnahmen anzupassen, um ein erneutes Überschreiten zu verhindern.
neuer Spitzenschalldruckpegel jetzt nicht mehr unbewertet sondern C-bewertet und 5 dB niedriger (135 dB(A))
Bewertung oder Messungen des Lärms und ggf. Erstellung eines Lärmkataster nun auch für die Arbeitsbereiche, in denen Beurteilungspegel zwischen 80 und 85 dB(A) auftreten können
Ermittlung des "Tages-Lärmexpositionspegels" bleibt unverändert (entw. orts- oder personenbezogen); Beurteilung über die Dauer von 8 Stunden